
Eine Veranstaltung von:


Im aktuellen Koalitionsvertrag von SPD und GRÜNEN ist vereinbart, dass ein Pilotprojekt „Flexible Oberstufe“ auf den Weg gebracht wird. Wir laden ein zu einer
Auftaktveranstaltung mit Senatorin Ksenija Bekeris
am Freitag, 17. April 2026 um 15 Uhr
Das erwartet Sie:
- Keynote von Prof. Dr. Anne Sliwka “Zukunftsorientierte Bildung auch in der Sekundarstufe II – Gründe und Perspektiven“
- Impulsvorträge von Expert*innen aus der Bildungspraxis mit Beispielen von gelungener Flexibilisierung und Individualisierung aus Hamburg und innovative Konzepte aus anderen Bundesländern.
- Austausch und gemeinsame Reflexion
Hamburger Praxisimpulse
A Das Prinzip der angeleiteten Eigenständigkeit im Oberstufenzentrum der Stadtteilschule Eidelstedt
Lisa Heinlein, didaktische Koordination im Oberstufenzentrum, Stadtteilschule Eidelstedt, Hamburg
Der Impuls stellt das Oberstufenkonzept der Stadtteilschule Eidelstedt vor, das selbstorganisiertes Lernen in einer offenen Lernlandschaft einer KESS-2-Stadtteilschule systematisch fördert. Selbstorganisation wird dabei im Sinne angeleiteter Eigenständigkeit nicht als Voraussetzung, sondern als Entwicklungsziel verstanden. Anhand der räumlichen Struktur – vom gemeinsamen Start in der „Klassen-Qualle“ bis zur Arbeit in funktional gestalteten Lernzonen – wird gezeigt, wie Instruktionsphasen, selbstständige Arbeitsphasen und Coaching im Fachunterricht sowie in Projektphasen sinnvoll aufeinander bezogen sind, um Eigenständigkeit zu fördern, ohne Orientierung und Verbindlichkeit aufzugeben.
B DALTON-Pädagogik am Gymnasium Bondenwald
Sabine Güldenpfennig, Schulleiterin, Gymnasium Bondenwald, Hamburg
Am 01.02.2025 führte das Gymnasium Bondenwald die DALTON-Pädagogik ein, um das selbstständige Lernen der Schüler*innen zu stärken. Durch die Umverteilung von Unterricht (2/3 Plenumsunterricht, 1/3 selbstständiges Lernen nach Lernplänen) praktizieren die Schüler*innen selbstständiges Lernen in 1/3 der Lernzeit jeden Tag und in allen Fächern. Die Schule befindet sich mitten im Implementierungsprozess. Dieser komplexe Entwicklungsschritt fordert das ganze System. Es werden Eindrücke und Rückmeldungen zum Prozess und dem Schulalltag mit DALTON geschildert.
C Die reformpädagogische Oberstufe: Projektlernen, Partizipation und Selbstverantwortung
Fridolin Kuke, Abteilungsleiter Oberstufe, Winterhuder Reformschule (WiR)
Der Impuls stellt die reformpädagogische Oberstufe der Winterhuder Reformschule vor und zeigt, wie Lernen in Projekten, Mitbestimmung und Eigenverantwortung ganz praktisch gelebt und weiterentwickelt werden. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie eine Oberstufe gestaltet sein muss, damit Jugendliche gut auf ein selbstbestimmtes, demokratisches und verantwortungsvolles Leben im 21. Jahrhundert vorbereitet sind.Praxisbeispiele zeigen, wie das konkret umgesetzt wird – etwa durch Projektformate wie Einstiegsprojekte, Semesterprojekte, die Lernexpeditions-Woche (LEX) oder das AbiBarCamp.
D Oberstufe gemeinsam gestalten – Partizipation durch den Projektrat
Max Schipkowski, Lehrer; Emilia von der Burg, Sophie Schnipkereit Schülerinnen, Lehrer und Koordinator Projektrat, Schülerinnen, Winterhuder Reformschule (WiR)
In dem Workshop geben wir Einblicke, wie Schüler*innenpartizipation an der Winterhuder Reformschule konkret umgesetzt wird. Zu Beginn jedes Schuljahres findet in unserer Oberstufe eine dreiwöchige Projektphase statt – die sogenannten Einstiegsprojekte. Geplant und koordiniert wird diese Phase von Schüler*innen selbst: dem Projektrat. Von der Wahl und Verteilung der Projektangebote über die Raumplanung bis hin zur Organisation der Abschlussfeier liegt die Verantwortung vollständig in Schüler*innenhand. Der Projektrat zeigt, wie Mitbestimmung nicht nur ermöglicht, sondern aktiv gestaltet und getragen werden kann.
E Neuer Umgang mit Leistung in der Q-Phase – veränderte Feedback- und Prüfungsformate
Dr. Jochen Schnack, OSR, Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung, Hamburg
In Hamburg ist es seit vielen Jahren möglich, auch in der Oberstufe Klausuren durch sog. „entsprechende Leistungen“ zu ersetzen. Damit haben die Schulen die Möglichkeit, alternative Prüfungsformate zu entwickeln, zu erproben und zu etablieren. In einem groß angelegten Projekt hat die BSFB in den Jahren 2024 und 2025 die Erfahrungen in diesem Bereich dokumentiert und auf dieser Basis Qualitätskriterien und Musterbeispiele für qualitativ hochwertige entsprechende Leistungen entwickelt. Der Leiter des Projekts Dr. Jochen Schnack stellt in diesem Workshop wesentliche Ergebnisse vor.
F Selbstverantwortete, kompetenzorientierte individuelle Lernprozessgestaltung in zukunftsbedeutsamen Handlungssituationen
Monika Stausberg und Kathleen Steller, Schulleiterin und Abteilungsleiterin Abschlüsse und Übergänge, Berufliche Schule ITECH Elbinsel Wilhelmsburg
Wir laden Sie ein, Umsetzungsbeispiele einer selbstverantworteten kompetenzorientierten individualisierten Lernkultur anzuschauen, ihre Möglichkeiten wie Grenzen zu erforschen und Transferansätze für eine flexible Oberstufe auszuloten.
Innovationsimpulse
1) Flexibilisierung der Eingangsphase I – Projekt BaWü, AiA der ESBZ, Transition Year Irland
Regine Walter, Initiative Flexible Oberstufe (Geschäftsführung) und Lehrerin am Ev. Firstwaldgymnasium Mössingen (Teil des Schulentwicklungsteams)
Im Mittelpunkt steht zum einen ein projektbasiertes Modell einer neu gestalteten Einführungsphase, inspiriert vom irischen Transition Year. Dieses Konzept versteht die Klassenstufe 11 als pädagogisches Herzstück zwischen Mittelstufe und Kursstufe: mit mehr Praxisbezug, selbstverantwortetem Lernen, Modulen zur individuellen Förderung, Projektarbeit, Praxisphasen sowie intensiver Begleitung durch Coaching und Mentoring. Zum anderen wird ein konkretes Umsetzungsmodell aus Baden-Württemberg vorgestellt, das in den Startlöchern steht, von evangelischen und katholischen Privatschulen erprobt zu werden. Unter dem Arbeitstitel „Raus-Zeit“ ermöglicht es Schülerinnen und Schülern, einen festgelegten Zeitraum der 11. Klasse außerhalb der Schule zu lernen – etwa durch soziales Engagement, Auslandsaufenthalte, Praktika oder berufsorientierende Projekte –, eingebettet in klare schulische, curriculare und organisatorische Rahmenbedingungen des neuen G9. Die Präsentation lädt dazu ein, beide Ansätze kennenzulernen, ihre Ziele, Strukturen und Wirkungen zu vergleichen und gemeinsam zu diskutieren, wie Oberstufe neu gestaltet werden kann: als Lernraum für Verantwortung, Selbstwirksamkeit, Demokratiebildung und zukunftsrelevante Kompetenzen.
2) Blick über den Tellerrand
Inge Gembach-Röntgen, Schulleiterin i.R., Initiative Flexible Oberstufe, Gettorf SH
Was wäre, wenn, die Verweildauer in der Oberstufe nach den individuellen Bedarfen der Schüler*innen festgelegt werden könnte, Schüler*innen in Teams lernen und Prüfungen ablegen könnten, eine additive Aufteilung von Prüfungsleistungen im Abitur möglich wäre, Schüler*innen einzelne Kurse statt eines ganzen Schuljahres wiederholen könnten, eine freiwillige Wiederholung von Kursen zur Verbesserung von Noten möglich wäre, wenn statt der Stofffülle eine frühzeitige, individuelle Schwerpunktsetzung und vertiefte Auseinandersetzung mit anspruchsvollen Themen möglich wäre? Diese und andere Ideen, die in anderen Schulsystemen im In- und Ausland bereits umgesetzt werden, sollen vorgestellt, mit den Teilnehmenden diskutiert und auf notwendige Voraussetzungen überprüft werden.
3) Flexibilisierung der Eingangsphase II – gestreckte zweijährige Eingangsphase mit einer gezielten Förderung in Deutsch als Zweitsprache, die auf die speziellen Anforderungen der gymnasialen Oberstufe vorbereitet
Dr. Michaele Geweke, Stellvertretende Kollegleiterin, Oberstufenkolleg Bielefeld
Für Jugendliche, die noch nicht lange in Deutschland sind, bietet das Oberstufen-Kolleg Bielefeld, Versuchsschule für die gymnasiale Oberstufe, seit nunmehr zehn Jahren einen besonderen Weg zum Abitur an. In einer auf zwei Jahre gestreckten Eingangsphase haben Kollegiat:innen die Möglichkeit, sich auf das Abitur vorzubereiten, obwohl sie noch dabei sind, Deutsch zu lernen. Dafür wurde ein spezifisches Curriculum entwickelt, auf dessen Basis die Jugendlichen gezielt auf die sprachlichen, inhaltlichen und methodischen Anforderungen der Oberstufe vorbereitet werden. In Kursen in Deutsch als Zweitsprache mit den Schwerpunkten Literatur, Politische Bildung und Naturwissenschaften, die sich an den Aufgabenfeldern der gymnasialen Oberstufe orientieren, entwickeln die Kollegiat:innen ihre (fach-)sprachlichen Kompetenzen weiter. Hinzu kommen u. a. Kurse in Mathematik, ebenfalls mit einem fachsprachlichen Fokus, und Englisch, das auf unterschiedlichen Niveaustufen angeboten wird. Ergänzt wird das Kurstableau durch eine Einführung in die Lernkultur der Oberstufe. Das Konzept der Gestreckten Eingangsphase wird im Rahmen eines Praxisforschungsprojektes in Zusammenarbeit mit der Wissenschaftlichen Einrichtung Oberstufen-Kolleg kontinuierlich weiterentwickelt. Zudem kooperieren wir mit externen Partnern.
4) Jahrgangsstufenübergreifendes Lernen – eine Hoffnung für kleine Oberstufen?
Christine Prühs, Oberstufenkoodinatorin, Jenaplanschule Rostock
Jahrgangsstufenübergreifendes Unterrichten in der Sekundarstufe II ist kein Selbstzweck, sondern eine Antwort auf reale schulische Anforderungen: flexible Kursgrößen, individuelle Lernwege und der Wunsch nach effizienter Ressourcennutzung. Durch die Verbindung mehrerer Jahrgänge können Schulen Lernangebote öffnen, die sonst aufgrund geringer Anwahl oder Stundenplanzwänge nicht möglich wären. Gleichzeitig entsteht die Chance, Lernprozesse stärker projekt- und kompetenzorientiert zu gestalten. Entscheidend ist dabei die organisatorische Passung. Dieser Vortrag stellt eine mögliche planerische Gestaltung am Beispiel der Jenaplanschule in Rostock vor und beleuchtet hierbei Vor- und Nachteile in der Umsetzung des jahrgansstufenübergreifenden Unterrichts in der Sekundarstufe II.
5) Selbstlernen braucht Struktur: Modulorganisation in der Praxis
Dr. Kerstin Tschekan, Sachgebietsleiterin Führungskräfte- und Personalentwicklung, IQSH Kiel
In der Oberstufe treffen wir auf sehr unterschiedliche Lernbiografien, Interessen und Arbeitsweisen. Gleichzeitig wächst der Anspruch, dass Schülerinnen und Schüler zunehmend selbstständig lernen, Verantwortung für ihren Lernprozess übernehmen und gute Leistungen erbringen. Beides gehört zusammen. Wer erfolgreich studieren will, braucht Fachwissen, aber genauso die Fähigkeit, sich Inhalte eigenständig zu erschließen, Arbeit zu planen und dranzubleiben. Der Workshop setzt genau hier an. Im Mittelpunkt stehen zwei Fragen, die uns im Alltag oft beschäftigen: Wie können wir die Kompetenz zum eigenverantwortlichen Lernen gezielt aufbauen und begleiten? Und wie gestalten wir unseren Unterricht so, dass selbstständiges Lernen nicht nur erlaubt ist, sondern auch eingefordert wird? Wir schauen gemeinsam auf konkrete Unterrichtsformate, klare Strukturen und hilfreiche Routinen. Es geht um Wege, wie Offenheit und Verbindlichkeit zusammengehen können. Ebenso darum, wie Lehrkräfte unterstützen, ohne ständig zu steuern, und wie Lernprozesse transparent und anspruchsvoll bleiben.
6) Mittels alternativer Prüfungsformate zu einer zukunftsfähigen Oberstufe? – Wie Prüfungen Lernkultur, Kompetenzerwerb und Unterrichtsqualität beeinflussen
Jörg Droste, Schulleitung Einstein-Gymnasium Rheda, Vorstand Initiative Flexible Oberstufe und Cornelia von Ilsemann,Senatsdirektorin i.R., Bündnis für ein zukunftsfähiges Abitur
Prüfungen prägen Unterricht, Lernkultur und den schulischen Alltag stärker als fast jedes andere Element der Oberstufe. Doch bilden klassische Klausuren und das Abitur tatsächlich die Kompetenzen ab, die junge Menschen heute und in Zukunft benötigen? Und welchen Einfluss haben Prüfungsformate auf Motivation, mentale Gesundheit und nachhaltiges Lernen? Der Impuls nimmt die Diskussion um innovative Prüfungsformate als Ausgangspunkt, um grundlegende Fragen nach Sinn und Funktion von Prüfungen neu zu stellen. Dabei wird deutlich, dass zentrale Zukunftskompetenzen (4C+2C), Selbstregulationsfähigkeit und vertieftes fachliches Lernen in traditionellen Formaten oft nur unzureichend sichtbar werden. Es bedarf alternativer Formate, die Leistungserwartungen nicht etwa senken, sondern im Gegenteil um herausfordernde Zukunftskompetenzen erweitern. Eine veränderte Aufgabenkultur und begleitende Feedbackstrukturen sind dabei Grundvoraussetzungen. Anhand konkreter Praxisbeispiele aus Oberstufen im In- und Ausland, wird gezeigt, wie alternative Prüfungen Lernprozesse fördern, Lehrkräfte entlasten und Teamarbeit stärken können. Auch die Rolle von KI – etwa bei Korrekturen oder in mündlichen Prüfungen – sowie aktuelle Befunde zu Mental Health, Übergangskompetenzen und Studienabbrüchen fließen ein.
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Unterstützt von der Initiative flexible Oberstufe